Symphoniekonzert mit der Südwestdeutschen Philharmonie

Freitag, 28. März 2014, 20 Uhr
Aula der Pädagogischen Maturitätsschule, Kreuzlingen

Abschlusskonzert des Dirigierworkshops der
Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
(Leitung: Johannes Schlaefli)

Dirigenten:
Corinna Niemeyer, Dominic Limburg,
Georg Köhler, Francois Lòpez – Ferrer,
Chin-Chao Lin, Edouardo Strausser,
Raphael Honegger

Claude Debussy
»Prélude à l‘après-midi d‘ un faune«

Bedrich Smetana
Die Moldau, Symphonische Dichtung

Antonín Dvorák
Die Mittagshexe, Symphonische Dichtung

Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung
(Orchesterfassung von Maurice Ravel)

Unnummerierte Karten zu 22 Fr.(17 € )/ ermäßigt 18 Fr.(14 €) 
an den üblichen VVK-Stellen in Konstanz und in Kreuzlingen Tourismus, Sonnenstrasse 4,Tel.+41 71 6723840

Für Schüler und Studenten: An der Abendkasse Karten zu 8 Fr.(6.€)

Claude Debussys Orchesterwerk »Prélude à l‘après-midi d‘ un faune« ist ein Meilenstein des musikalischen Impressionismus. Es gibt keine tönenden Gedichts-illustrationen, keine nachmalende symphonische Dichtung über die Worte, wohl aber hat der Komponist zwei Charakteristika des gleichnamigen Gedichtes von Stéphane Mallarmé in Töne übertragen: Die im Unwirklichen verflirrende Hitze eines faunischen Nachmittags und die Poesie gearbeiteter Formkunst. Es verbindet Traumwelt und Formkunst. Denn dieser „Nachmittag“ findet nicht nur in freier Sonaten-Form statt, sondern auch als Variationsreihe. Das Hauptthema erscheint in zehn Veränderungen: Instrumental, harmonisch, verkürzt, erweitert; am Ende verliert sich die antike Vision im zeitlosen Traum. Mallarmé dankte, der Komponist habe das Gedicht in der Verwandlung von „Sehnsucht, Feinheit des Lichts, Melancholie und Üppigkeit“ mit klingender Poesie übertroffen.

Antonìn Dvorák schrieb mehrere sinfonische Dichtungen, die auf der Balladensammlung »Kytice« (Blumenstrauß) des Dichters Karel Jaromír Erben beruhen. Am Anfang der Mittagshexe wird das friedliche häusliche Leben einer Familie geschildert. In der Folge stellt die Oboe durch Tonrepetitionen das Geschrei des Kindes dar, dem die Mutter mit der Mittagshexe droht, die wenig später erscheint. Die Mutter versucht, die Hexe abzuwehren, als diese das Kind einfordert. Beim zwölffachen Glockenschlag zur Mittagszeit nimmt sich die Hexe das Kind. Die Mutter wird ohnmächtig und wird später, mit dem toten Kind in ihren Armen, von ihrem Mann geweckt. Beide vernehmen das Freudengeschrei der Hexe. Die Musik ist in vier Abschnitte geteilt. Der Fortgang der Handlung von der anfänglichen Idylle bis zum dramatischen Schluss wird durch entsprechende Variationen des C-Dur-Themas dargestellt.

Bedrich Smetana’s symphonische Dichtung „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ ist die volkstümlichste Orchesterschöpfung des Tschechen. In programmatisch bildhafter Weise malt die Melodie die Uferlandschaften der Moldau vom Zweiquellenbeginn bis zum Ausmünden in das Flussbett, in welchem der mächtige Strom die uralte Bergfeste des Vysehrad- Sitz der einstigen böhmischen Monarchen gen Prag weiterfließt. Smetanas musikalische Motivik, angefangen vom Quellenmotiv über das sangliche e-moll-Motiv der Moldau bis zum feierlichen Vysehrad-Thema lässt wechselnde Szenen vorübergleiten: eine fröhliche Jagd, eine böhmische Dorfhochzeit, eine mondbeglänzte nächtliche Uferidylle und die tobenden St. Johann-Stromschnellen in ihrer klanglichen Sinnfälligkeit. Mit dem triumphalen Vysehrad-Thema schließt das Stück.

Die Anregung zum Tongemälde »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgski ging von einer Gedächtnis-Ausstellung zu Ehren des Malers und Architekten Victor Hartmann in St. Petersburg aus. Hartmann war ein enger Freund Mussorgskis gewesen. Dieser setzte in wenigen Wochen zehn der Bilder Hartmanns in Musik um. Der suitenartig angelegte Zyklus besteht aus zehn aneinandergereihten Stücken, die den jeweiligen Bildtitel tragen. Die »Promenade« ist das verbindende Element zwischen den einzelnen Tonbildern und ist eine Art musikalisches Selbstportrait Mussorgskis, der in wechselnden Stimmungen die Ausstellung durchschreitet; einleitend und anfangs als Intermezzo nach jedem Bild, verbindet sie kontrastierende Bildpaare, taucht schließlich in das Bild »Cum mortuis in lingua mortua« selbst ein, um im pompösen Finale, dem »Großen Tor von Kiew«, regelrecht verarbeitet zu werden« (H. Becker).

ZITAT: Der wohl wichtigste und intensivste Teil der Arbeit eines Dirigenten ist die Vorbereitung
Adjektiv: spannend

Dirigieren lernen? Wie geht denn das?

Für einen jungen Menschen, der die klassische Musik liebt und sich diese zum Beruf machen möchte, heißt es bekanntlich zunächst: üben, üben, üben, um sich später auf seinem Instrument in seiner Kunstfertigkeit zu beweisen. Und wenn sich dieser junge Mensch nun als Ziel das Dirigieren ausgesucht hat? Soll er oder sie nun wohl auch üben, üben, üben? Vor dem Spiegel womöglich? Die Bewegungen von Kleiber, Haitink, Thielemann, Jansons oder Rattle studieren und nachzeichnen?

Es liegt auf der Hand: ein »Instrument« muss her! Nur wo findet sich so leicht das notwendige Instrument für den angehenden Dirigenten: das Orchester, das bereit ist mit einem noch unerfahrenen Dirigenten zu musizieren? Genau an diesem Punkt setzen die Dirigierklassen der Musikhochschulen an. Die Dirigierklasse der Zürcher Musikhochschule hatte die Ehre, an genau diesem Punkt auch dem heutigen Generalmusikdirektor und dem heutigen 1. Kapellmeister des Meininger Orchesters vor langer Zeit helfend zur Seite zu stehen.

Und weil Philippe Bach weiß, wie wichtig diese praktischen Erfahrungen für die jungen Dirigierstudierenden sind, hat er sich dafür eingesetzt, dass die Züricher Dirigierklasse nun eine sehr interessante Woche in Meiningen verbringen darf und sich sieben angehende Dirigentinnen und Dirigenten in Proben und Aufführungen beweisen dürfen und wertvolle Erfahrungen sammeln werden. Wir sind Philippe Bach für diese Initiative sehr dankbar.

Der wohl wichtigste und intensivste Teil der Arbeit eines Dirigenten ist die Vorbereitung: die Partitur sehr genau zu studieren, die Hintergründe und die Bedeutung der Musik zu kennen und erfasst zu haben, das Werk »in sich zu tragen«. Ohne diese Vorarbeit kann niemand ein guter Dirigent sein. Dann kommt dieser spannende, große  Moment, wenn die jungen Menschen vor ein fremdes Orchester treten und ihre innere Vorstellung mit ihrer Körpersprache und ihren Anweisungen in die Kommunikation mit den Musikerkolleginnen und –kollegen bringen.

Und in diesem Moment gibt es natürlich eine Menge zu lernen und zu erfahren! Für mich als Mentor und Lehrer geht es dann darum, den Studierenden genau die Hinweise zu geben, die sie stärken, ohne sie zu verunsichern. Jedes Mal ist wieder eine neue Gratwanderung, ein Abenteuer. Denn jeder Mensch hat seine eigene Körpersprache, seine eigene Art von Präsenz. Wie unterschiedlich doch auch die eingangs genannten großen Meister ihres Faches in ihrem Dirigat auf uns wirken. Und genau so unterschiedlich sind im Grunde genommen auch die jungen angehenden Dirigentinnen und Dirigenten in ihrer Ausstrahlung, in ihren Stärken und in ihren Bedürfnissen als Studierende.

Für das Publikum ist bei einem Abschlusskonzert eines Dirigierkurses genau dies eine große Attraktion: Am gleichen Abend so unterschiedliche – auch unterschiedlich weit entwickelte – junge Dirigierpersönlichkeiten in der Interaktion mit dem Orchester erleben zu können und dabei zu wissen: solche Momente sind am Anfang so entscheidend im Werdegang späterer hervorragender Dirigenten, wie dem wunderbaren Meininger Generalmusikdirektor.

Johannes Schlaefli, 
Professor für Orchesterleitung an der Zürcher Hochschule der Künste

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Datum: Montag, 24. Februar 2014 6:44
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